Informationen über den aktuellen Stand
Das Projekt "EIGENWILLIG" wird gefördert von:
Hamburger Spendenparlament
Aktion Mensch
Andrea Brudermüller Stiftung
"Fachtagung Eigenwillig"
Am 29. Juni 2010 veranstaltet das Familienplanungszentrum in Kooperation mit der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung eV (HAG) eine Fachtagung.
"Eigenwillig"
Projekt zur Förderung einer selbstbestimmten Sexualität und Familienplanung von Menschen mit Behinderung
Seit dem 1. Oktober 2008 führt das Familienplanungszentrum ein Projekt mit dem Namen „EIGENWILLIG“ durch. Mit unserem neuen Angebot möchten wir Menschen mit Behinderungen in ihrer Entwicklung zu einer selbstbestimmten und verantwortungsvollen Sexualität unterstützend begleiten. Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, Mittel der Aktion Mensch, des Hamburger Spendenparlaments und der Andrea Brudermüllerstiftung einzuwerben, um dieses wichtige Thema weiter zu befördern.
Ziel des Projektes ist es, in Hamburg und Umgebung ein qualifiziertes Beratungsangebot für Menschen mit Behinderungen, insbesondere mit sogenannten geistigen Behinderungen und Lernbeeinträchtigungen bereitzustellen. Darüber hinaus bieten wir Beratung auch für Angehörige sowie Fachkräfte aus der Behindertenhilfe an. Inhalte der regionalen Fachberatungen sind Fragen rund um Körper- und Sexualaufklärung, Verhütung sowie Familienplanung.
Wir bieten:
· Einzel- und Paarberatung für Menschen mit Behinderung in leichter Sprache
· Gynäkologische Beratung und Untersuchung
· Fachberatung für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Behindertenhilfe
· Praxisreflexion
· Fortbildungen
· Arbeitshilfen und Methoden lebendigen Lernens
· Hilfe bei der Erstellung von sexualpädagogischen Konzepten
· Aufbau eines regionalen Netzwerkes
Neben einem interdisziplinärem Projektteam aus einer Sexualpädagogin, einem Sexualpädagogen und einer Gynäkologin, ist das gesamte Team des Familienplanungszentrums mit allen Fachbereichen in das Projekt einbezogen.
Seit über 25 Jahren ist das Familienplanungszentrum in Hamburg-Altona eine Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Themen Sexualität, Verhütung, Schwangerschaft und Sexualpädagogik. Seit vielen Jahren bieten wir auch Fortbildung und Beratung für Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderung und deren Umfeld zum Thema "Sexualität und Behinderung" an. Dennoch stellen wir fest, dass gerade für Menschen mit Lernschwierigkeiten der Weg in eine Beratungsstelle zu den Themen Sexualität und Familienplanung noch nicht selbstverständlich und vor allem häufig nicht selbstbestimmt ist. Besonders Themen wie Kinderwunsch und Elternschaft von Menschen mit Behinderung werden auch im Jahre 2008 noch tabuisiert.
Weitere Informationen erhalten Sie unter:
Familienplanungszentrum
Bei der Johanniskirche 20, 22767 Hamburg,
Tel: 040 – 4392822,
Ansprechpartnerin: Maria Gies, gies(at)familienplanungszentrum.de
Informationen über den aktuellen Stand des Projektes Ziele, Schwerpunkte, Methoden
Aufgabe des Projektes ist die Konzeptentwicklung, Planung und Durchführung von sexualpädagogischen und medizinischen regionalen Fachberatungen in Hamburg und Umgebung. Zu diesem Zweck ist die Nutzung vorhandener, aber auch die Recherche, Anschaffung und Entwicklung von zielgruppenspezifischen Arbeitsmaterialien weiter vorgesehen (Dazu zählen z. B. anschauliche Modelle zur Beschreibung von Körpervorgängen, Medien, Materialien in leichter Sprache etc.). Das Angebot der Beratung wird beworben und ein Kooperationsnetz mit Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie ergänzender Beratungsstellen aufgebaut.
Der Einsatz der konkreten Arbeitshilfen und Materialien wird in Fachberatungen erprobt. Die Fachberatungen werden von einer Ärztin und zwei Sexualpädagogen durchgeführt. Durch den Einsatz eines männlichen Sexualpädagogen und einer weiblichen Sexualpädagogin werden geschlechtsspezifische Besonderheiten in Konzeptentwicklung und Durchführung der Fachberatungen berücksichtigt.
Zugleich erfolgt eine Weiterbildung des Teams des Familienplanungszentrums. Mitarbeiterinnen am Telefon, im Erstkontakt in der Anmeldung, Ärztinnen und Beraterinnen werden hinsichtlich von Besonderheiten in der Kommunikation mit Menschen mit Behinderungen geschult. Ein zentrales Modul der Fortbildung beinhaltet die Einweisung und Integration aller MitarbeiterInnen in das regionale, zielgruppenrelevante Kooperationsnetz.
Die Erfahrungen aus den Fachberatungen werden regelmäßig durch die Projektleitung an das Team des FPZ weitergegeben, eine Anbindung der Fachberatung ins Gesamtteam ist relevant für die Implementierung des Angebotes .
Das Projekt wird evaluiert und dokumentiert, um die Erfahrungen auch anderen Beratungsstellen zugänglich zu machen.
Bisherige Umsetzung:
Im bisherigen Projektzeitraum (1 Jahr), konnten alle geplanten Vorhaben erfolgreich angeschoben werden. Die Konzeptentwicklung war erfolgreich und wird permanent anhand aktueller Erfahrungen weiter entwickelt. Die Recherche und Anschaffung vorhandener Arbeitshilfen und Materialien ist angeschoben und wird weitergeführt. Ein Teil der benötigten Fachliteratur, Materialien in leichter Sprache und Modelle von Körperteilen wurden angeschafft. Die Angebote des Familienplanungszentrums wurden in Kooperation mit Mensch Zuerst Hamburg e.V. in leichte Sprache übersetzt und als Flyer gedruckt. Das Beratungsangebot wurde in Form von Mailings und Aussendungen an die Einrichtungen der Behindertenhilfe und an Beratungseinrichtungen in Hamburg beworben. Weiterhin wurden bestehende Netzwerke und Arbeitskreise zur Verbreitung des Angebots genutzt. Zum Aufbau eines regionalen Netzwerks wurden bisher zwei mal Einrichtungen der Behindertenhilfe zu einem „Runden Tisch“ eingeladen. Arbeitshilfen, zum Beispiel zum Thema Verhütung, wurden in leichter Sprache erstellt. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden auch bereits zahlreiche Beratungen durchgeführt. Die Mitarbeiterinnen des Familienplanungszentrums wurden bisher in einer eintägigen Veranstaltung und regelmäßigen Kurzveranstaltung fortgebildet.
Abweichungen/ Veränderungen:
Durch die Bewerbung des Projektes gibt es eine sehr große Nachfrage an Beratung, Fachberatung, Supervision und Fortbildung, der schon bald die Kapazität des Projektteams übersteigt. Die Resonanz bzw. der regionale Beratungs- und Fortbildungsbedarf übersteigt deutlich unsere Erwartungen.
Besonders der großen Nachfrage nach Teamfortbildungen für Einrichtungen der Behindertenmittel übersteigt den geplanten Projektrahmen.
Erfahrungen, Zahlen, Fakten:
Im Laufe des ersten Jahres wurden aufgrund der großen Nachfrage 67 Beratungen/Fachberatungen (Einzel- und Paarberatungen) durchgeführt. Dabei wurden in 42 Fällen direkt Menschen mit Behinderung erreicht!
In 14 Fällen wurden UnterstützerInnen, in 9 Fällen Angehörige und in 2 Fällen MultiplikatorInnen beraten.
Darüber hinaus wurden von MitarbeiterInnen des Projektteams 35 Veranstaltungen (Fortbildungen, Elternabende, Filmabend, Infoveranstaltungen) durchgeführt, bei denen insgesamt 356 Personen erreicht wurden.
Bei 11 Gruppenveranstaltungen handelte es sich um Gruppen mit Menschen mit Behinderung.
An 20 Veranstaltungen nahmen MitarbeiterInnen der Behindertenhilfe/MultiplikatorInnen
und an 5 Veranstaltungen Eltern von Menschen mit Behinderung teil.
Die Beratungen betrafen alle Altersstufen (Kinder/Jugendliche /Erwachsene). Für das Familienpplanungszentrum ungewöhnlich war, dass unter den Klienten bisher wenig Menschen mit Migrationshintergrund waren.
Folgende Themen wurden in den Beratungen angesprochen:
Sexualität (22), Partnerschaft (22), Kinderwunsch (3), Sexuelle Gewalt (7), Körper- und Sexualaufklärung (20), Medizinische Beratung (4)
Folgende Themen wurden in den Veranstaltungen angesprochen: Verhütung (10), Körper-/Sexualaufklärung (26), Sexualität (27), Psychosexuelle Entwicklung (14), Schwangerschaft (6), Kinderwunsch (10), Schwangerschaftsabbruch (2), Sexualassistenz (5), HIV/AIDS/STDs (2), Besuch Gynäkologie (10), sexuelle Gewalt (12), Lebensweisen (6)
Besonders erfreulich war und ist die Resonanz auf unsere beiden Einladungen zum regionalen „Runden Tisch“. Insgesamt waren TeilnehmerInnen von 17 verschiedenen Hamburger Trägern vertreten.
Kooperation:
Zum Aufbau eines regionalen Netzwerks wurden Einrichtungen der Behindertenhilfe im Februar und im Oktober 2009 zu einem „Runden Tisch“ eingeladen. Geplant wurde in einem nächsten Schritt die bestehenden regionalen Angebote zum Thema Sexualität und Familienplanung zu sammeln und zum Projektende als Wegweiser online zur Verfügung zu stellen. Außerdem sollen bestehende Bedarfe erfasst und formuliert werden.
Am 29. Juni 2010 wird zum Projektanschluss eine regionale Fachtagung in Hamburg stattfinden. Neben Fachvorträgen und einem Workshopangebot zu verschiedenen Themen sollen sich dort auch die im Netzwerk vertretenen Einrichtungen mit ihrem jeweiligen Angebot präsentieren können.
Wenn Sie ein regionales Angebot zum Thema Sexualität und Familienplanung bereitstellen und in unseren geplanten Online- Wegweiser aufgenommen werden möchten, können Sie hier ein Raster zur Erfassung Ihres Angebotes downloaden: Presse: Download Artikel „Alles Liebe“
Presse: Download Artikel „Alles Liebe“
Stand: November 2009