In den ersten drei Monaten können Schwangerschaftsabbrüche immer ambulant durchgeführt werden. Die Frau kann einige Stunden nach dem Eingriff nach Hause gehen, sollte dafür aber möglichst eine Begleitung haben. Nur bei schwerwiegenden Erkrankungen kann ein längerer Aufenthalt im Krankenhaus notwendig sein.
Es gibt zwei Methoden des Schwangerschaftsabbruchs: die Absaugmethode, die in örtlicher Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt werden kann, und den medikamentösen Abbruch.
Was ist die Absaugmethode?
Örtliche Betäubung oder Vollnarkose?
Wie geht es mir nach dem Eingriff?
In welchem Zeitraum kann die Absaugung durchgeführt werden?
Medikamente zur Vorbereitung des Gebärmutterhalses
Bekomme ich nach dem Eingriff Antibiotika?
Ausschabung oder Kürettage?
Wie wird der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch durchgeführt?
Bis wann kann der Medikamentöse Abbruch durchgeführt werden?
Wie lange dauert die anschließende Blutung?
Muss ich eine Nachuntersuchung durchführen lassen?
Welche Komplikationen kann es beim Schwangerschaftsabbruch geben?
Schwangerschaftsabbrüche nach dem 3. Monat
Muss ich nach einem Schwangerschaftsabbruch mit negativen
psychischen Folgen rechen?
Die Absaugmethode wird in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft am häufigsten durchgeführt. Dabei wird ein Saugröhrchen durch die Vagina in die Gebärmutter eingeführt und damit das Schwangerschaftsgewebe abgesaugt. Dafür ist entweder eine örtliche Betäubung oder eine kurze Vollnarkose notwendig. Es wird, wie bei anderen frauenärztlichen Untersuchungen, ein Speculum in die Vagina eingeführt, um sie offen zu halten und den Gebärmutterhals sichtbar zu machen. Der Muttermund wird mit Metallstiften etwas geweitet (je nach Schwangerschaftsalter auf 6-12 Millimeter), indem nacheinander Stifte mit jeweils etwas größerem Durchmesser in den Gebärmutterhals eingeführt werden. Dann wird ein Saugröhrchen aus Kunststoff oder Metall in die Gebärmutter eingeführt (ebenfalls 6-12 Millimeter Durchmesser) und das Schwangerschaftsgewebe damit abgesaugt. Je nach Art des verwendeten Röhrchens und der Erfahrung der FrauenärztIn wird manchmal anschließend eine Nachkürettage durchgeführt. Das heißt, dass mit einem löffelähnlichen Instrument geprüft wird, ob die Gebärmutter vollständig entleert ist. Der Eingriff dauert etwa 10 Minuten.
Bei der örtlichen Betäubung wird der Gebärmutterhals mit einer Spritze betäubt, ähnlich wie bei einem zahnärztlichen Eingriff. Die Spritze selbst verursacht nur sehr geringe Schmerzen. Durch die örtliche Betäubung ist das Weiten des Muttermundes schmerzarm bis schmerzfrei. Beim Absaugen entstehen für einige Minuten Regelschmerzen, die unterschiedlich stark empfunden werden, aber nach dem Ende des Absaugens schnell wieder nachlassen. Bei der Vollnarkose wird eine Spritze in eine Armvene gegeben. Die Frau schläft dann für etwa 15 Minuten und erlebt den Eingriff nicht mit. Für viele Frauen ist die örtliche Betäubung ausreichend. Ein Vorteil dabei ist, dass sie miterleben, daß der Eingriff relativ klein ist. Viele Frauen sind überrascht und erleichtert darüber, weil sie die Vorstellung hatten, dass ein Schwangerschaftsabbruch ein großer und gefährlicher Eingriff in den Körper sei. Allerdings müssen die Frauen wissen, dass der Eingriff nicht völlig schmerzfrei ist. Eine Vollnarkose ist für Frauen ratsam, die den Eingriff nicht bewusst erleben wollen oder einen schmerzfreien Eingriff wünschen. Manche ÄrztInnen bieten für diese Frauen statt der Vollnarkose eine starke Beruhigungsspritze an. Einige Frauen empfinden das als angenehm, andere berichten über ein Gefühl von Lähmung und Ausgeliefertsein bei unveränderter Schmerz- und Angstwahrnehmung. Für ängstliche Frauen halten wir deswegen eine Vollnarkose für die bessere Alternative.
In den ersten Tagen nach der Absaugung haben die meisten Frauen nur geringe Blutungen. Nach 4-5 Tagen kann es zu einer stärkeren Blutung mit Regelschmerzen kommen, die aber meist nur einen Tag anhält. Danach kann eine ganz leichte Blutung unterschiedlich lange anhalten. Sie sollten sich möglichst einige Tage lang ausruhen und können sich für diese Zeit von der ÄrztIn krank schreiben lassen.
Nach 10 bis 14 Tagen sollten Sie eine Nachuntersuchung durchführen lassen. Dabei wird geprüft, dass keine Infektion besteht und keine Gewebereste in der Gebärmutter zurück geblieben sind.
Die Absaugung wird bis zur 14. Woche nach der letzten Regel durchgeführt. Einige ÄrztInnen führen sie erst ab der 7. Schwangerschaftswoche durch. Der Grund hierfür ist das etwas größer Risiko auf in der Gebärmutter verbleibende Reste in einer sehr frühen Schwangerschaft. Wenn sorgfältig kontrolliert wird, dass das Schwangerschaftsgewebe tatsächlich vollständig abgesaugt wurde (durch Ultraschall oder durch Kontrolle des Schwangerschaftshormons im Blut oder Urin), kann der Eingriff aber auch schon früher durchgeführt werden.
Durch Medikamente, die einige Stunden vor der Absaugung gegeben werden, kann sich der Gebärmutterhals schon etwas öffnen, und das Weiten ist dann leichter. Die Medikamente können manchmal Unterbauchschmerzen verursachen und es kann bereits zu einer Blutung kommen.
Viele ÄrztInnen geben nach einer Absaugung für einige Tage Antibiotika, um einer Infektion vorzubeugen. Eine Alternative wäre, eine Untersuchung auf Infektionen in der Vagina (zum Beispiel eine Chlamydieninfektion) vor dem Eingriff. Nur im Falle eines Befundes wäre eine Behandlung nötig.
In Deutschland werden noch über 10% der Schwangerschaftsabbrüche mittels Kürettage durchgeführt. Diese Methode hat jedoch eine höhere Komplikationsrate als die Absaugmethode und sollte nicht mehr angewandt werden.
Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch dauert einige Tage. Am ersten Tag nimmt die Frau drei Tabletten Mifegyne ein. Danach stirbt die Schwangerschaft ab und es kommt oft zu einer leichten Blutung. Mifegyne muss, laut Gesetz, im Beisein der ÄrztIn eingenommen werden. Zwei Tage später nimmt die Frau ein zweites Medikament . Es handelt sich dabei um ein Prostaglandin, welches bewirkt, dass die Schwangerschaft ausgestoßen wird. Meist wird in Deutschland Cytotec® als Tablette verwendet, einige ÄrztInnen verwenden stattdessen Gemeprost als Vaginalzäpfchen. Etwa ein bis zwei Stunden nach der Einnahme kommt es zu unterschiedlich starken Krämpfen im Unterleib, ähnlich wie Regelschmerzen, und einer Blutung, oftmals stärker als die Regel. Selten treten auch Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall auf. Bis die Schwangerschaft ausgestoßen wurde, kann es einige Stunden, manchmal aber auch ein bis zwei Tage dauern. Nach der Einnahme des Prostaglandin sollen Sie für einige Stunden in der Praxis oder Klink betreut werden. Manche ÄrztInnen lassen Sie aber auch früher gehen, wenn Sie es wünschen, oder geben Ihnen die Tabletten mit nach Hause. In diesem Fall sollten Sie über den Ablauf gut informiert sein und die ÄrztIn jederzeit bei Problemen erreichen können.
Ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch wird in Deutschland bis zum Ende der 9. Woche, das heißt bis zum 63. Tag nach Beginn der letzten Regel durchgeführt.
Etwa ein bis zwei Tage lang kann die Blutung stärker sein als Ihre normale Regel. Danach blutet es meist noch einige Tage lang in Regelstärke. Dann wird die Blutung normalerweise schwächer. Eine leichte Blutung kann noch ein bis drei Wochen lang auftreten.
Da bei etwa 5 % der Frauen die Schwangerschaft nur teilweise oder gar nicht ausgestoßen wird, und in seltenen Fällen sogar normal weiter wachsen kann, ist nach 8-10 Tagen unbedingt eine Nachuntersuchung mit Ultraschall notwendig. Trotz starker Blutung kann es manchmal vorkommen, dass das Schwangerschaftsgewebe noch in der Gebärmutter verbleibt. Man kann durch eine Ultraschalluntersuchung sicher feststellen, ob der medikamentöse Abbruch erfolgreich war. Wenn die Schwangerschaft nicht ausgestoßen wurde, muss eine Absaugung durchgeführt werden. Bei kleineren Geweberesten kann man abwarten, ob sie mit der nächsten Regelblutung ausgestoßen werden.
Komplikationen treten bei Schwangerschaftsabbrüchen sehr selten auf. Darüber gibt es sehr große Untersuchungen, da in vielen Ländern Schwangerschaftsabbrüche mit Komplikationen statistisch erfasst werden. In den Ländern mit guter medizinischer Versorgung und legalem Schwangerschaftsabbruch sterben weniger als 1/100 000 Frauen bei diesem Eingriff. Auch negative Folgen für die Fruchtbarkeit oder den Verlauf späterer Schwangerschaften sind sehr unwahrscheinlich. Bei ca. 1% der Frauen kann es nach einer Absaugung zu einer Infektion in der Gebärmutter kommen. Nach dem medikamentösen Abbruch ist das Infektionsrisiko geringer. Infektionen müssen mit Medikamenten behandelt werden. Außerdem können nach einem Abbruch Gewebereste in der Gebärmutter verbleiben. Dieses Risiko ist beim medikamentösen Abbruch mit etwa 5 % höher als bei der Absaugung (etwa 1%). Oft bluten diese nach Gabe von Medikamenten ab. Es kann aber auch eine Nachsaugung oder Nachkürettage zur Entfernung von Geweberesten notwendig werden. Bei einer Absaugung kann sehr selten (bei 1-2 von Tausend Frauen) die Gebärmutter verletzt werden. Meist ist dann eine Überwachung im Krankenhaus nötig, die Verletzung heilt aber fast immer ohne Komplikationen. Auch eine starke Blutung kann eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich machen.
Nach dem dritten Monat werden Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland nur sehr selten durchgeführt. Dann ist nach der gesetzlichen Regelung in Deutschland eine medzinische Indikation erforderlich. Meist ist eine festgestellte kindliche Fehlbildung der Grund. Manchmal passiert es auch, dass eine Frau erst nach dem dritten Monat bemerkt, dass sie schwanger ist. Ab dem 4. Monat werden Schwangerschaftsabbrüche meist im Krankenhaus durchgeführt. Es werden dann Medikamente gegeben, durch die sich der Muttermund öffnet und Wehen ausgelöst werden. Dabei treten Unterbauchschmerzen auf, die mit Medikamenten, manchmal auch mit einer Rückenmarksbetäubung behandelt werden können. Nach einigen Stunden, manchmal auch erst nach ein bis zwei Tagen, wird der Embryo ausgestoßen. Dann wird meist eine Nachkürettage durchgeführt, um Reste des Mutterkuchens zu entfernen.
Die psychische Belastung durch Schwangerschaftsabbrüche wird meist überschätzt. Viele Studien zeigen, dass langfristige negative psychische Folgen sehr selten sind. Die meisten Frauen erleben die stärkste Belastung in der Zeit vor dem Schwangerschaftsabbruch, in der sie die Entscheidung treffen müssen und Angst vor dem Eingriff haben. Nach dem Eingriff überwiegt bei vielen Frauen die Erleichterung darüber, dass sie den Eingriff hinter sich haben. Einige Frauen erleben eine Phase von Trauer und Depression, die einige Wochen dauern kann.
Psychische Probleme treten nach Schwangerschaftsabbrüchen häufiger auf, wenn Frauen die Entscheidung unter äußerem Druck treffen müssen, sei es durch schwierige Lebensumstände oder durch starke Einflussnahme von Angehörigen. Auch eine moralische Verurteilung des Abbruchs durch die Umgebung oder eine schlechte Behandlung durch BeraterInnen und medizinisches Personal können die Verarbeitung des Abbruchs erschweren, außerdem der Zwang zur Verheimlichung und fehlende Unterstützung durch nahe stehende Menschen. Wichtig ist es deshalb, dass Sie die Entscheidung in Ruhe und möglichst frei treffen. Dafür können Sie sich Unterstützung im Familienplanungszentrum oder einer anderen Beratungsstelle holen. Versuchen Sie auch Menschen zu finden, mit denen Sie über Ihre Situation sprechen können, und die Sie in der Zeit des Abbruchs begleiten und unterstützen können. Außerdem sollten sie sich, soweit möglich, eine Beratungsstelle und eine Einrichtung für die Durchführung des Schwangerschaftsabbruchs aussuchen, in der Sie freundlich behandelt werden, und ihre Entscheidung respektiert wird.
Das Familienplanungszentrum hat zu diesem Thema eine Studie durchgeführt und als Buch veröffentlicht.
Information dazu finden Sie auf der Seite ÜBER UNS/ VERÖFFENTLICHUNGEN
Sie können das Buch als PDF hier herunterladen.